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Interkommunale Zusammenarbeit
Die großen Kreisstädte Reutlingen, Tübingen, Metzingen und Rottenburg
haben sich seit einigen Jahren zu einer engeren Zusammenarbeit entschlossen.
Die Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister der Städte loten immer wieder
die Möglichkeiten der effektiveren Zusammenarbeit aus und wollen diese zur
Verbesserung der Verwaltungsleistung nutzen.
Die Feuerwehren in der Region Reutlingen - Tübingen arbeiten bereits
seit Jahrzehnten eng zusammen. Zu einen ergibt sich dies aus den Überlandhilferegelungen
der Landkreise; zum anderen aus besonderen Alarmplänen für bestimmte
Einsatzobjekte wie beispielsweise den Kreiskliniken.
Reicht diese Zusammenarbeit denn nicht aus?
Das System Feuerwehr bewährt sich täglich, ohne zu verschweigen, dass
die „Einen oder Anderen“ Aufgaben großflächiger effektiver zu lösen wären. Wie
schwierig Veränderungen sind, wissen die Führungskräfte in den Feuerwehren.
Lange Traditionen in kommunaler Trägerschaft, landesspezifische Gesetze,
alle 5 Jahre zu wählende Führungskräfte, Misch- und Zuschussfinanzierung und
die gesellschaftliche Funktion der Feuerwehen in den Stadtbezirken sind einige
Schlagworte, die bei Reformen, sollen sie gelingen, zu beachten sind.
Aus diesem Grunde wird es in
Zukunft wichtig sein, das bewährte System „Feuerwehr“ zu stützen und zu
erhalten, indem es notwendige Reformen, vor allem in selten auftretenden
Einsatzlagen erfährt und in diesen „Spezialbereichen“ mehr regional gedacht
wird.
Diesen Ansatz griffen die Feuerwehrkommandanten von Reutlingen,
Tübingen, Metzingen Pfullingen, Eningen und der Werkfeuerwehr Robert Bosch
GmbH, Reutlingen, zum Ende des Jahres 2003 auf und haben die Überlegungen zum
Anlass genommen, sich über eine weiterführende, engere Kooperation zwischen den
Feuerwehren zu verständigen sowie über gemeinsame, überörtliche Einsatzkonzepte
nachzudenken.
Welche Fakten führten zu diesen Überlegungen?
1. Die wirtschaftliche Situation in den Städten und Gemeinden ist
schlechter geworden; der Kostendruck auch auf die Feuerwehren erhöht sich
zunehmend. Die Ausbildungsanforderungen nehmen immer mehr zu und die
Investitionskosten für Fahrzeuge und Geräte steigen.
2. Die
demographische Entwicklung wird in den nächsten 10-15 Jahren zu einem
Kräftemangel bei den Feuerwehren und einem weiteren Rückgang der Verfügbarkeit
der Freiwilligen Feuerwehren – insbesondere tagsüber – führen können.
3. Sofern der heutige Qualitätsstandard bei den Feuerwehren gehalten werden
soll, ist es notwendig, alle Aufgaben kritisch zu hinterfragen und weiterführende
Veränderungen anzustellen.
4. Eine Überlegung könnte in Teilbereichen eine „Regionalisierung der
Feuerwehen“ – zumindest in der speziellen Gefahrenabwehr – sein.
Aus einsatztaktischen Gründen wurde in die interkommunale Zusammenarbeit
der Städte auch die Werkfeuerwehr Bosch sowie die Feuerwehren der Stadt
Pfullingen und der Gemeinde Eningen, die zusammen mit Reutlingen, Metzingen und
Tübingen einen Ballungsraum von insgesamt 245.000 Einwohnern bilden, mit
aufgenommen.
Die Stadt Rottenburg wurde bisher
aufgrund der Entfernung zum „Ballungsraum“ sowie ihrer „eher ländlich,
flächenartig geprägten Struktur“ noch nicht mit eingebunden.
Ziele der „neuen“ Zusammenarbeit
Das Ziel der interkommunalen
Zusammenarbeit bei den Feuerwehren war es zuerst, alle vorhandenen Ressourcen
in einer Datenbank zu erfassen und den beteiligten Wehren über das Internet
zugänglich zu machen. Die Kommandanten haben als weiteres Ziel formuliert, für
Spezialaufgaben, abgestimmte Einsatzkonzepte zu erarbeiten.
Erste Ergebnisse
a:) Tauchergruppe
Ein
Einstieg wurde mit einer gemeinsamen Tauchergruppe der Feuerwehren Reutlingen
und Tübingen erfolgreich begonnen. Die vorhandene Ausrüstung wurde aufeinander
abgestimmt, die Geräteanzahl reduziert. Bei Ausfall von Geräten helfen sich die
Tauchergruppen, wie im vergangenen Jahr praktiziert, gegenseitig aus.
Eine
gemeinsame Einsatzplanung, in die auch die DLRG eingebunden wurde, bildet die
Grundlage für die gemeinsame Ausbildung. Diese wird sowohl an den Standorten
als auch an der Landesfeuerwehrschule gemeinsam betrieben.
b:) Interkommunale Einsatz – und Gerätedatei
In dem
geschlossenen Bereich dieser Internetseite haben die Feuerwehren –
passwortgeschützt – Zugriff auf sämtliche Einsatzmittel der benachbarten
Wehren. Mit dieser Maßnahme können die Materialbestände effektiver genutzt,
Beschaffungen besser geplant und auch abgestimmt werden. Im Einsatzfalle kann
jede Feuerwehr sich sehr schnell einen Überblick über die in der Region vorhanden
Geräte, Ausrüstungen und Verbrauchsmaterialien verschaffen und auf diese auch
zugreifen.
Künftige Schritte der interkommunalen Zusammenarbeit
Weitere Einsatzkonzepte können im Strahlenschutz, im Gefahrguteinsatz,
bei Sondereinsätzen mit Spezialfahrzeugen wie Kranwagen, bei den Leitstellen,
bei Dienstleistungen wie in der Führungsunterstützung und der
Kommunikationstechnik, im Atemschutzbereich, bei der Einsatzlogistik und in den
Werkstätten entstehen.
Ebenso besteht die Möglichkeit, abgestufte Einsatzkonzepte für den
Grundschutz, die Ergänzung und die Spezialisierung zu erarbeiten.
Hierzu wären jedoch klare,
zwischen den Städten abgestimmte Aufträge der politisch Verantwortlichen
notwendig sowie eine einheitliche Datenbasis, die Risikoanalysen, Aufgabenbeschreibungen
und Bedarfspläne in abgestimmter Form beinhalten.
Harald Herrmann
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