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«Kyrill»-Bilanz im Land: Millionenschäden und ein
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Stuttgart - Der Orkan «Kyrill» hat in Baden-Württemberg weniger Schaden
angerichtet als zunächst befürchtet. In einer Bilanz des Innenministeriums in
Stuttgart hieß es am Freitag: Die Baden-Württemberger seien trotz eines
bedauerlichen Todesfalls relativ glimpflich davongekommen. Bei einem
sturmbedingten Autounfall im Rhein-Neckar-Kreis war am Donnerstag ein 68 Jahre
alter Mann ums Leben gekommen. 19 Menschen wurden landesweit verletzt, darunter
ein Feuerwehrmann bei Aufräumarbeiten in der Nähe von St. Georgen
(Schwarzwald-Baar-Kreis) und ein Schulkind im Enzkreis. Das Innenministerium
bezifferte den Schaden auf mehrere Millionen Euro.
Am stärksten war der Regierungsbezirk Karlsruhe betroffen.
Im Kreis Karlsruhe hatten Leitungsschäden kurzzeitig zu einem Stromausfall
geführt. Auch die Waldbesitzer haben weniger Schäden als zunächst befürchtet zu
verkraften. Forstminister Peter Hauk (CDU) betonte: «Der Sturm verursachte
landesweit nur verhältnismäßig geringe Schäden im Wald.» Die ausführlichen
Warnungen der Wetterdienste vor dem Orkantief «Kyrill» seien sehr hilfreich
gewesen.
Insgesamt seien in den am stärksten betroffenen Regionen in
Nordbaden und im Schwarzwald nach ersten und sehr groben Schätzungen deutlich
weniger als 500.000 Kubikmeter Sturmholz angefallen. Dies entspreche nicht
einmal fünf Prozent des normalen jährlichen Holzeinschlages. Beim Orkan
«Lothar» 1999 waren allein im Südwesten 30 Millionen Kubikmeter Sturmholz
zusammengekommen. Laut Hauk besteht im Wald aber unverändert Lebensgefahr.
Nach ersten vorläufigen Prognosen rechnet die
Sparkassen - Versicherung (SV), der bundesweit größte Gebäudeversicherer und
Marktführer in Baden-Württemberg und Hessen, mit 30.000 beschädigten Gebäuden
landesweit. Die Sachschäden könnten sich nach diesen Prognosen auf rund 40
Millionen Euro summieren. Insgesamt hinterließ der Orkan aber weniger
Gebäudeschäden als befürchtet, sagte ein SV-Sprecher. Möglicherweise hätten die
frühzeitigen Warnungen dazu geführt, dass Hausbesitzer Vorsorge getroffen
haben. So rechnet die SV mit einer Vielzahl von Kleinschäden, größere Schäden
seien eher die Ausnahme.
Innenminister
Heribert Rech (CDU) nannte das Krisenmanagement routiniert. Die Einsatzkräfte
waren nach seinen Worten «bestens vorbereitet». Das
Technische Hilfswerk war am Donnerstag und Freitag mit 425 ehrenamtlichen
Helfern im Einsatz, die unter anderem Kamine und Gebäude sicherten sowie
Straßen und Bahngleise räumten.
Die Polizei registrierte im Südwesten mindestens 700
Schäden wie umgestürzte Bäume und herabgefallene Ziegel. 118 Straßen mussten in
der Nacht zum Freitag gesperrt werden, von denen viele noch am Morgen blockiert
waren. Auch der Bahnverkehr im Land war am Vormittag behindert: Nachdem die
Bahn in ganz Deutschland den Zugverkehr am Donnerstagabend vorsorglich
eingestellt hatte, kam es insbesondere im Fernverkehr noch zu Verspätungen und
Ausfällen. Tausende von Reisenden waren in der Nacht auf Bahnhöfen im Land
gestrandet.
Mitarbeiter hielten die Bahnhöfe und zum Teil auch die
Bahnhofsgaststätten offen. Am Stuttgarter Hauptbahnhof konnten sich Passagiere
in zwei beheizten Zügen aufwärmen und in der Bahn-Kantine kostenlos verpflegen.
Am Freitagnachmittag waren die zuvor gesperrten Bahnstrecken Hausach-Villingen,
Titisee-Seebrugg und Bad Waldsee- Kißlegg wieder flott.
Auf dem Stuttgarter Flughafen fielen am Freitag
vier Anflüge aus, zwei davon aus Frankfurt. Ansonsten lief dort der Betrieb
planmäßig. In der Bodenseeregion wütete der Orkan «Kyrill» nach einer ersten
Bilanz der Polizei weniger als befürchtet. Die Polizei im Bodenseekreis meldete
nur kleinere Sachschäden und einen leicht verletzten Autofahrer. Die
Bodensee-Katamarane blieben am Freitagmorgen wegen des Sturms zunächst weiter
im Hafen. Am Nachmittag nahmen die Personen-Schnellfähren «Constanze» und
«Fridolin» ihren Dienst wieder auf. Wegen des von Regenschauern begleiteten
Orkans stiegen in Baden-Württemberg die Pegel sämtlicher Flüsse leicht an, zu
Überflutungen kam es jedoch nicht.
Sturmbedingt blieben am Freitag alle Schulen im Landkreis
Freudenstadt geschlossen. Das Kultusministerium in Stuttgart hatte es den
Schulleitern im Land freigestellt, ihre Schulen nicht zu öffnen. Ein tragischer
Unfall ereignete sich am Freitagmorgen in einer Schule in Königsbach-Stein:
Eine durch den Sturm gelockerte Dachluke verletzte einen acht Jahre alten
Jungen schwer am Kopf.
Quelle:
Landesportal Baden-Württemberg
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