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Gemeinderat beschließt Feuerwehrbedarfsplan



Der Gemeinderat der Stadt Reutlingen hat am vergangenen Dienstag die 5. Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplanes für den Zeitraum 2008 – 2013 beschlossen. Zuvor hatte Feuerwehrkommandant Harald Herrmann und der Stv. Freiwillige Feuerwehrkommandant, Gerhard Nagel, das 124 Seiten starke Papier erläutert und die Schwerpunkte für die nächsten 6 Jahre angesprochen.

Herrmann ging in seiner Präsentation insbesondere auf die Veränderungen in der Stadt, bei den Arbeitsplätzen, bei den Gebäuden, dem Verkehr und dem Umfeld ein. Daraus abgeleitet beleuchtete er die Auswirkungen, die sich auf einen Feuerwehreinsatz ergeben.

In einer umfangreichen Ist- Analyse stellte der Kommandant die Leistungsfähigkeit der Reutlinger Feuerwehr und den Zielereichungsgrad von den vom Gemeinderat beschlossenen Hilfsfristen dar. Von 862 ausgewerteten Einsätzen kamen in 162 Fällen die Feuerwehreinheiten nicht in der vom Gemeinderat vorgegebenen Hilfsfrist am Einsatzort an.

In knapp 84 % aller Fälle waren jedoch die Feuerwehrfahrzeuge (erste Gruppe) innerhalb von 8 Minuten vor Ort und konnten dem Bürger Hilfe leisten. Die zweite Einheit traf in 97,6 % der Fälle zeitgerecht (innerhalb von 13 Minuten) am Einsatzort ein. Die Stärke der ersten Feuerwehreinheit wurde in über 89 % der Fälle eingehalten, die Stärke der zweiten Einheit wurde zu 100 % eingehalten.

Herrmann bezeichnete diese Ergebnisse, auch wenn bei jedem 6. Einsatz die Feuerwehr nicht innerhalb der Vorgabe da war, für das Stadtgebiet Reutlingen als ein sehr gutes Ergebnis. Im Vergleich zu anderen Städten würde Reutlingen damit im Mittelfeld liegen.

Das Einsatzaufkommen in der Stadt Reutlingen liegt bei ca. 1.200 Einsätzen im Jahr; der Trend sei leicht steigend. Die klassische Aufgabe der Brandbekämpfung liegt in Reutlingen bei 22 %. Rund 300 Brände ereignen sich jährlich in Reutlingen. Diese Einsätze erfordern – da sie zeitkritisch sind und Menschen gefährdet sein können – einen hohen Aufwand. Herrmann verwies in diesem Zusammenhang auch auf die beiden Wohnungsbrände des Vortages, bei denen insgesamt 11 Personen verletzt wurden und eine Person aus dem Fenster gesprungen war.

Die Technischen Hilfeleistungen (57 %) sind stark schwankend, insbesondere wegen der Unwetter und Sturmereignisse. Der Trend sei jedoch leicht fallend. Hier zeige sich auch, dass die umfangreichen Maßnahmen der Stadt zum Hochwasserschutz greifen.

Die Umweltschutzeinsätze (10,6 %) sind weiterhin stark rückläufig. Öleinsätze, insbesondere im häuslichen bereich, seien die Ausnahme geworden. Daher wolle man auch an der Reduzierung des Gerätewagen- Gefahrgutes festhalten.

Die Fehleinsätze machen ca. 20 % aus. Die hohe Zahl an Fehleinsätzen liege natürlich auch an der hohen Zahl von automatischen Brandmeldeanlagen, die aufgrund von Abweichungen von der LBO notwendig sind sowie an der hohen Sensibilität der Bevölkerung. Die Fehleinsätze seien daher auch ein Stück weit unvermeidbar.

Harald Herrmann zeigte auch auf, dass durch die Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen, die die Feuerwehr in den vergangenen mitgetragen und im Vermögenshaushalt über 2 Mio. € eingespart hatte, ein Investitionsstau bei den Fahrzeugen eingetreten sei. 22 der 43 Großfahrzeuge der Feuerwehr seien heute über 15 Jahre alt, 13 davon sogar über 20 Jahre.

Hier ging Herrmann auch auf die Schwerpunkte der kommenden Jahre ein. Der Schwerpunkt wird auf der Ersatzbeschaffung von Löschfahrzeugen liegen. Hier sind in den kommenden Jahren allein über 900.000 € für Ersatzbeschaffungen für Fahrzeuge notwendig, um den heutigen Sicherheitsstandard halten zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt muss dem Erhalt der Freiwilligen Feuerwehr gewidmet werden. Vor allem sei es Aufgabe von Feuerwehr, Stadtverwaltung und Gemeinderat die Frage zu beantworten, wie sich auch in Zukunft ausreichend viele Einwohner für den mitunter gefährlichen Dienst in der Feuerwehr begeistern lassen.

Vor allem müssen aber auch Anreize geschaffen werden, damit erfahrenere Feuerwehrangehörige wieder länger im aktiven Dienst bleiben. Herrmann zeigte eine ganze Reihe von Möglichkeiten auf, die dem Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsplanaufstellung vorgeschlagen werden sollen.

Als neue Aufgaben in der Zukunft sieht die Feuerwehr die Tunnelbrandbekämpfung – bereits während der Bauzeit des Scheibengifeltunnels – wofür, wenn die Reutlinger Feuerwehr die Aufgaben der Grubenrettungswehr übernehmen soll, auch Ausrüstung und Ausbildung bereitgestellt werden muss.

Als weitere Veränderungen in der Zukunft nannte Herrmann die Einführung des Digitalfunks und die Veränderungen in der Leitstellenlandschaft.

Alle Fraktionen des Gemeinderates beurteilten den Bedarfsplan als gute, verlässliche und wichtige Grundlage für die Stadt. Insbesondere könne der Gemeinderat die Notwendigkeiten in der Gefahrenabwehr rechtzeitig erkennen und wisse, was auf die Stadt zukomme.

Bemerkenswert sei aber auch, wie nachhaltig bei der Reutlinger Feuerwehr in der Vergangenheit gewirtschaftet worden sei und welche Erfolge in der Interkommunalen Zusammenarbeit erreicht wurden.

Durch die Oberbürgermeisterin und alle Fraktionen des Gemeinderates wurde der Feuerwehr größter Respekt und Anerkennung für die tägliche Arbeit, aber auch für diesen Bedarfsplan, ausgesprochen.



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