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Mit dem Rad in die Partnerstadt

Roland Haid, Ehrenmitglied der Reutlinger Feuerwehr und stellvertretender Obmann der Altersabteilung der Abteilung Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte fuhr mit dem Fahrrad von Taschkent nach Duschanbe, Reutlingens Partnerstadt in Tadschikistan. Rund 2.700 km legte der ehemalige Feuerwehrmann auf seinem Fahrrad zurück.

Pressebericht aus dem Reutlinger General-Anzeiger vom 07.09.2006
Von Steffi Renz

Bei der Tour de France wurden in diesem Jahr genau 3.653 km gefahren. Von jungen durchtrainierten, und mitunter auch gedopten Profisportlern. Roland Haid, ehemaliger Feuerwehrmann der Reutlinger Feuerwehr und heute Mitglied der Altersabteilung ist mit seinen 65 Jahren nicht mehr ganz so jung, garantiert nicht gedopt und auch kein Profisportler.

Mit den Kilometern auf dem Fahrrad kann er aber locker mithalten. Der topfite Reutlinger Feuerwehrmann fährt seit Eintritt in den Ruhestand von 5 Jahren jedes Jahr eine große Rundfahrt. Zwischen knapp 3.000 auch schon mal 4.500 km absolvierte der rüstige Rentner dann.

In diesem Sommer führte ihn die Reiselust nach Duschanbe, die Partnerstadt von Reutlingen in Tadschikistan. Die Idee zu dieser Reise entstand bereits vor 3 Jahren. Roland Haid lernte Munawar Achmedowa kennen, die Schulleiterin an einer Schule in Duschanbe ist. Diese lud ihn ein, denn nur mit einer persönlichen Einladung nach Tadschikistan war damals eine Reise überhaupt möglich.

Besuch aus Russland

„Doch an einem kurzfristigen nicht zu bekommenden Visum für Russland scheiterte im Jahre 2003 die Reise.“ Der Kontakt zur Familie Achmedowa aber blieb, im vergangenen Sommer war das Ehepaar zwei Wochen zu Gast bei Haids in Reutlingen. „Das war wirklich etwas Einmaliges“, erinnert sich Roland Haid gerne an den Besuch zurück. Und plante sofort den Gegenbesuch. „Den verbindest du mit einer Radtour“.

Am 11.Juni 2006 bestieg er den Flieger nach Usbekistan, dem Ausgangsort seiner Tour. „Ich hatte ein ganz normales Tourenrad, dazu hatte ich in meinem Packsack mein Zelt, mein Schlafsack und die Nachtbekleidung, in den beiden Packtaschen meine Radbekleidung und ganz wichtig – Rei in der Tube – erzählt Roland Haid über seine Ausrüstung.“

Damit war er insgesamt 8 Wochen unterwegs. Von Taschkent radelte er die ersten 600 km nach Duschanbe. Knapp zwei Wochen genoss er die Gastfreundschaft der Familie Achmedowa, die ihm die Stadt zeigte und auch die Schule, in der Munawar Achmedowa tätig ist. Und die Dank der Reutlinger Stadträtin Suse Gnant zumindest in den Klassenzimmern wieder Fensterscheiben hat.

Die gesammelten Hilfsgelder aus Reutlingen werden dringend benötigt, hat Roland Haid mit eigenen Augen gesehen. „Es gibt an der Schule beispielsweise nur einen einzigen, beheizten Klassenraum – der Raum in dem Deutsch unterrichtet wird. Durch ein Rotiersystem wird dafür gesorgt, dass jede Klasse einmal am Tag für eine Stunde in dem warmen Klassenzimmer unterrichtet wird“, beschreibt der Reutlinger die Bilder, die man sich im Wohlstandsstaat Deutschland kaum vorstellen kann. Da das Geld knapp ist in Duschanbe wird viel getauscht. „Wir haben einmal Pflaumen geerntet, die wurden dann gleich gegen andere Lebensmittel getauscht.“ Besonders berührt ist Roland Haid, dass „das wenige was die Leute haben, auch noch bereitwillig geteilt wird.“

Wo auch immer er auf seiner Tour entlang kam, überall wurde er freundlich begrüßt, zum Essen eingeladen oder an seinem Rastplatz verpflegt. Auch der Umgang miteinander sei ein ganz anderer als hier zu Lande. „ Ich habe nie erlebt, dass ein böses Wort fiel, egal in welcher Situation. „Die Leute dort sind noch anständig und rücksichtsvoll“ – da können wir noch viel lernen, erzählt der Reutlinger.

Auch als es bei der Weiterreise Schwierigkeiten gab, half die Gastfreundschaft in Tadschikistan weiter. „Ich kam an der Grenze zu Kirgisistan an und der Grenzübergang war zu. Auch Dollars halfen nicht und mein Visum lief nur noch 3 Tage“, beschrieb Roland Haid die Probleme unterwegs. Es gab nur eine Lösung, die 350 km zurück nach Duschanbe und das Visum verlängern lassen. Einen Tag radelte er, dann nahm ihn ein Viehtransporter mit. „Ich saß samt meinem Rad im Laderaum mit einer Kuh und ihrem Kalb. Auf der schlechten Straße hat es uns mächtig hin- und her gehauen,“ erzählt Haid von der Fast-Horrorfahrt.

Der Zeitverlust zwang den 65-jährigen dann auch die geplante Route zu ändern. Über einen anderen Grenzübergang gelangte der Reutlinger doch nach Kirgisistan. Von dort ging es nach Kasachstan und von da an zurück nach Taschkent.

Am Ötmök - Pass

2.700 km kamen so zusammen und viele einmalige Erlebnisse und Eindrücke. In Kirgisistan auf dem 3.332 m hohen Ötmök – Pass zum Beispiel hat er ein paar Tage verbracht. „Und wie ich abends so vor meinem Zelt sitze und koche, glaubte ich an eine Fata Morgana: „Da kam ein LKW herauf von der Firma Hirschburger Molkereibetriebe“, lacht Roland Haid. Der Clou: „Inhaber Helmut Hirschburger war mein Sitznachbar in der Schule. Dem hab ich dann gleich eine Postkarte geschrieben.“

Von wo die nächsten Ansichtskarten kommen, steht noch nicht fest. Das er wieder auf große Radtour gehen wird, schon. „Solange ich kann, werde ich das machen“, ist sich Roland Haid sicher. Bloß daheim sein ist nix für mich. (GEA)

Wir wünschen unserem ehemaligen Feuerwehrkameraden und Ehrenmitglied noch viele schöne und erlebnisreiche Touren.

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