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Einschätzung der aktuellen Situation der Vogelgrippe (aviäre Influenza)

Übernommen aus der Homepage des RKI (Aktualisierung vom 22.02.2006)

Das Friedrich-Loeffler-Institut / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hat mitgeteilt, dass die Vogelgrippe („hochpathogenes Influenza A/H5N1) bei weiteren Wildvögeln auf Rügen nachgewiesen worden ist.

Die Zahl der positiv getesteten Wildvögel beläuft sich damit auf 103, 101 davon auf der Insel Rügen, zwei auf dem Festland. Am 11./12.02.2006 war H5N1 bei einzelnen Wildvögeln in Italien, Griechenland, Slowenien und Österreich nachgewiesen worden, die ersten Fälle der Tierkrankheit in der Europäischen Union (siehe Welttiergesundheitsorganisation), inzwischen ist der Erreger auch bei einem Wildvogel in Frankreich und nach Medienberichten bei Wildvögeln in Ungarn gefunden worden.

In Ländern nahe der Europäischen Union war der für Geflügel hochansteckende Erreger zuvor schon mehrfach nachgewiesen worden, insbesondere in Rumänien und der Türkei. In der Türkei gab es (neben dem Irak) die bislang einzigen Erkrankungen bei Menschen außerhalb Südostasiens. Anfang Februar 2006 hatten auch die Behörden von Nigeria der Welttiergesundheitsorganisation den Ausbruch der Vogelgrippe in Geflügelbeständen gemeldet, der erste Ausbruch von hochpathogenem H5N1 in Afrika. Die Geflügelpest hat sich seit Ende 2003 in Asien massiv ausgebreitet.

Menschen können sich sehr selten und normalerweise nur nach engem Kontakt zu infiziertem Geflügel anstecken. Bürger sollten kranke oder verendete Wildvögel aus hygienischen Gründen ohnehin nicht anfassen. Wenn Bürger verendete Vögel finden, sollte der Fundort den zuständigen Veterinärbehörden der Gemeinde, dem Landkreis oder der Polizei mitgeteilt werden, rät das Sozialministerium von Mecklenburg-Vorpommern. Informationen für Ärzte zum Vorgehen bei Verdacht auf Vogelgrippe sind bereits seit längerem auf den Vogelgrippeseiten des Robert Koch-Instituts abrufbar.

Informationen zu Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus in Deutschland und zur Tierkrankheit sind beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zu finden, ebenso beim Friedrich-Loeffler-Institut / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Eine Übersicht über Hotlines ist bei den Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur Vogelgrippe abrufbar (Frage „Wo kann man sich informieren, wenn die gesuchte Frage hier nicht aufgeführt ist

Die Risikoeinschätzung für die Entstehung eines neuen Influenzavirus, das eine weltweite Grippewelle (Pandemie) auslösen kann, ändert sich durch das aktuelle Geschehen nicht grundlegend. Dies wäre nur der Fall, wenn der Erreger die Fähigkeit erlangt, sich effizient von Mensch zu Mensch auszubreiten (weitere Informationen des Robert Koch-Instituts zur Vogelgrippe, unter anderem Antworten auf häufig gestellte Fragen, sind abrufbar unter www.rki.de Infektionskrankheiten von A – Z > Vogelgrippe).

Allerdings wird das Risiko einer Pandemie maßgeblich davon beeinflusst, wie weit ein Virus verbreitet ist, das das Potential für eine weitere Anpassung an den Menschen und damit der Entstehung eines neuen Pandemievirus besitzt. Insofern bedeutet jede neue Fund des Erregers eine gewisse Erhöhung des Risikos. Wichtiger als einzelne Erkrankungen bei Wildvögeln (mit denen Bürger normalerweise keinen Kontakt haben) sind große Ausbrüche bei Geflügel in Regionen mit engem Kontakt zwischen Geflügel und Mensch, insbesondere in Südostasien.

Das Robert Koch-Institut weist ebenso wie die Welttiergesundheitsorganisation darauf hin, dass das Pandemierisiko derzeit so hoch ist wie seit Jahrzehnten nicht (siehe Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Influenzapandemieplan). Die effiziente Übertragung von Mensch zu Mensch ist H5N1 bislang noch nicht gelungen. Das Virus könne aber durch ständige Änderungen seines Erbguts oder – schlagartig – durch den Austausch ganzer Gene mit humanen Influenzaviren die Fähigkeit erlangen, effektiver als bisher Menschen zu infizieren und vor allem effizient von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Ein solcher Erbgutaustausch könnte in einem Menschen geschehen, der gleichzeitig infiziert ist mit einem Vogelgrippevirus und einem an den Menschen bereits angepassten, jeden Winter zirkulierenden, Grippevirus. Daher bedeutet jeder neue Vogelgrippefall beim Menschen ein gewisses Risiko, falls gleichzeitig die "üblichen" Grippeviren zirkulieren.

Die aktuelle Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit, die gemeinsamen Vorbereitungen auf eine Pandemie auf nationaler und internationaler Ebene weiter rasch voranzubringen (Informationen zur Pandemieplanung, darunter Antworten auf häufig gestellte Fragen, sind abrufbar unter www.rki.de/Infektionskrankheiten A - Z > Influenza > Influenzapandemieplanung).

Stand 22.02.2006

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