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Zu Gast in Szolnok

Eine Ausbildung der besonderen Art konnten die Feuerwehrleute Frank Wittel, Bernd Walter, Markus Vetter, Frank Veith und Daniel Dittmann absolvieren. Andreas Pluhar, der Kommandant der Partnerfeuerwehr aus Szolnok in Ungarn, hatte Reutlinger Feuerwehrleute zur Aus- und Fortbildung eingeladen.

Nach einem Begrüßungsabend konnten die Reutlinger Feuerwehrleute viel wissenswertes über die ungarischen Kollegen kennen lernen. Neben der Vorstellung der Feuerwehr, konnten sie die Strukturen, die einzelnen Einsatzfahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände kennen lernen.

Szolnok liegt ca. 100 km hinter Budapest und hat 78 000 Einwohner. 118 Berufsfeuerwehrleute leisten in drei Schichten Dienst. Darüber hinaus gibt es sechs Zivil-Angestellte in der Verwaltung der Feuerwehr. Eine Freiwillige Feuerwehr im deutschen Sinne gibt es nicht.

Bei ersten gemeinsamen Übungen im dem Hof der Szolnoker Feuerwache lernten die Reutlinger Feuerwehrleute die Ausrüstung und Anwendung der Geräte kennen. Dabei konnten beide Wehren mit kleinen Tricks und Tipps voneinander lernen.

Nach der Ausbildung wurde den Reutlingern ein Fahrzeug zugeteilt um bei Einsätzen mitzufahren. Danach folgten eine Besichtigung der Feuerwache sowie die Vorstellung der Mannschaft und deren Funktionen.

Der dritte Tag begann mit einem Besuch im Szolnoker Rathaus und einem längerem Gespräch mit dem Bürgermeister. Dabei wurden auch partnerstädtische, feuerwehrspezifische wie auch politische Themen angesprochen.

Nachmittags fand eine Begehung des größten Szolnoker Theaters statt. Ein wunderschönes Bauwerk bietet Platz für über 480 Personen. Für die Reutlinger war jedoch die Thematik des Brandschutzes und die Einsatztaktik für dieses Gebäude weitaus interessanter.

Im Anschluss wurde das größte Hochhaus der Stadt mit 24 Stockwerken besichtigt. Hier hat die Szolnoker Feuerwehr mit vielen Problemen zu kämpfen. Es gibt ständig wechselnde Mietparteien, teilweise wurden die Flure mit Gittern versehen, weil die Bewohner Angst vor Einbrüchen haben. Die Feuerwehr ihrerseits wird dadurch im Einsatz stark behindert, insbesondere wenn im Brandfalle die Gitter aufgebrochen werden müssen. Trotz Strafen werden diese Gitter immer wieder montiert . Abgestellte Gegenstände führen dazu, dass die Fluchttreppenhäuser schlecht begehbar und beengt sind.

Umfassender Schaumangriff

Ein Höhepunkt der Auslandsfortbildung war eine Übung im zweitgrößten Tanklager Ungarns. In der MOL Raffinerie lagern über 400.000 Kubikmeter Kraftstoffe in verschiedengroßen Tankanlagen.

Nach der Begehung fand dann eine Großübung der Feuerwehr Szolnok zusammen mit der Werksfeuerwehr MOL statt, bei der die Reutlinger Feuerwehrleute nicht fehlen dürften.

Angenommen wurde ein Tanklagerbrand, bei dem ein umfassender Schaumangriff vorgetragen wurde. Die „Echatztäler“ beeindruckte besonders der Einsatz der Schaum-/Wasserwerfer mit einem Löschmittelausstoß von 12.000 l pro Minute.

Am Samstag war die Reutlinger Abordnung auf die Maifeier der Szolnoker Feuerwehrleute eingeladen. Es ist dies das höchste Fest der gesamten Feuerwehr und ihren Familien. Es war eine große Ehre, daran teilnehmen zu dürfen. Das Fest fand an einem Flussarm der Theis statt und gab der Veranstaltung einen einzigartigen Rahmen.

Nachmittags wurde man zu einem Besuch nach Budapest, der Hauptstadt Ungarns, eingeladen. Hier wurde deutlich welchen Stellenwert ein Feuerwehrmann in Ungarn hat. Das Ansehen ist dermaßen groß, so man ohne Probleme in abgesperrte Bereiche am Parlament durfte; bei gebührenpflichtigen Parkplätzen oder Zufahrten sogar „durchgewunken“ wurde.

Bei Verkehrsstaus wurde die Feuerwehr von Polizisten einfach nach vorne geführt – für die Reutlinger fast unvorstellbar, für Ungarn normal. Beeindruckend war einmal mehr die Gastfreundschaft, die den Partnern aus Reutlingen entgegengebracht wurde. Erwähnt werden soll noch, dass man ohne die beiden Dolmetscherinnen Agnes und Susan Verständigungsprobleme gehabt hätten, denn erst seit kurzem wird in den Schulen deutsch oder englisch unterrichtet. Fazit: Ein solcher Erfahrungsaustausch ist durch nichts zu ersetzen – allerdings wäre mehr Zeit wünschenswert.

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