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Reutlinger
Generalanzeiger vom 23.12.05
VON HANS JÖRG CONZELMANN
>> Unglück kam über unsere Stadt <<
TÜBINGEN.
Rund 2 000 Menschen, unter ihnen mehrere hundert Feuerwehrleute, trauerten
gestern in der Tübinger Stiftskirche um ihre Kameraden Kurt Schwägerle und
Andreas Mang, die in der Nacht zum Samstag bei einem Brand ums Leben gekommen
sind.
Oberbürgermeisterin
Brigitte Russ-Scherer sprach den Angehörigen im Trauergottesdienst ihr Beileid
aus, ebenso Landesinnenminister Heribert Rech und Landesfeuerwehrpräsident
Frank Knödler. Die sich anschließenden Beerdigungen fanden unter Ausschluss der
Öffentlichkeit im engsten Familienkreis statt. Der Gottesdienst, den Dekanin
Marie-Louise Kling-de Lazzer leitete, wurde über Lautsprecher ins Freie
übertragen und dort von mehreren hundert Menschen verfolgt, die in der Kirche
keinen Platz mehr gefunden hatten.
»Unauslöschlich
in ihrem Gedächtnis eingebrannt«
Pfarrer
Thomas Hörnig versuchte, die Situation nach der Brandnacht zu beschreiben:
»Unglück ist über unsere Stadt gekommen.« Das Feuer war nachts um drei Uhr in
einem alten Speditionsgebäude an der Reutlinger Straße ausgebrochen, Andres
Mang und Kurt Schwägerle waren mit Atemschutzausrüstung, Funk und Löschschlauch
zum Feuer vorgedrungen, um Erd- und Dachgeschoss nach Menschen zu durchsuchen.
Nach ersten Untersuchungsberichten war der Schlauch geplatzt, die beiden
starben an Kohlenmonoxid-Vergiftung.
»Unser
tiefes Mitgefühl gilt den beiden Familien und den Lebenspartnern«, sagte
Russ-Scherer in ihrer Ansprache. Die Freiwillige Feuerwehr Tübingen sei durch
den Tod der beiden im Herz getroffen. »Wir trauern mit den Einsatzkräften, die
bei diesem verheerenden Brand vor Ort waren und in deren Gesichter wir die
Spuren dieser dunklen Nacht noch immer sehen, diese Nacht, die sich
unauslöschlich in ihrem Gedächtnis eingebrannt hat.«
Die beiden Männer starben beim Einsatz im Innern des Fachwerkgebäudes.
Innenminister
Heribert Rech stellte in seiner Gedenkrede Dank und Anerkennung des Landes
unter ein Motto von Augustinus: »Trennung ist unser Los, Wiedersehen ist unsere
Hoffnung.« Die Feuerwehren des Landes und die Bürgerinnen und Bürger seien
stolz auf die Leistungen der so tragisch ums Leben gekommenen Feuerwehrleute.
Frank
Knödler, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, hob hervor: »Der Wert eines
Menschenlebens wird nicht durch sein Alter bestimmt, sondern durch das, was er
in seinem Leben für andere getan hat. Und mehr als das, was Kurt Schwägerle und
Andreas Mang für andere getan haben, kann niemand tun.
Der
35-jährige Kurt Schwägerle war Ingenieur von Beruf und trat 1987 in den Dienst
der Feuerwehr ein. Er wurde 1992 zum Oberfeuerwehrmann, 1998 zum Löschmeister
und 2003 zum Oberlöschmeister ernannt. Er absolvierte zahlreiche Lehrgänge,
zuletzt als Kreisausbilder für Maschinisten, legte 1990 das Leistungsabzeichen
in Gold ab und übernahm 1997 die Funktion des Gruppenführers. Er hinterlässt
eine Frau und zwei Kinder.
Andres Mang
(24) war Zimmermann und trat 1997 in die Jugendfeuerwehr Hagelloch ein. Ab 1999
war er aktives Mitglied bei der Abteilung Hagelloch, wurde 2003 zum
Feuerwehrmann, 2005 zum Oberfeuerwehrmann befördert.
Die Trauerfeier wurde vom Tübinger Bläserquintett umrahmt.
(GEA)
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