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Übung brachte wichtige
Erkenntnisse |
Am Samstag den 16.04.05 führte die Reutlinger Feuerwehr eine Großübung
im Heim Rappertshofen durch. Das Heim Rappertshofen liegt im Norden der Stadt
zwischen Orschel-Hagen und dem Stadtteil Rommelsbach. Im dem Heim, das aus
einem Hauptgebäude mit mehreren Nebengebäuden besteht, sind über 250 körper-
und mehrfach behinderte Menschen untergebracht.
Als Szenario der Übung wurde ein Kellerbrand im Heizraum angenommen, bei
dem 6 Techniker vermisst wurden. In der Folge breitete sich der Rauch über die
Kriechgänge und Installationsschächte auf vier von 13 Behindertenstationen über
drei Stockwerke aus.
Rund 420 Einsatzkräfte mussten am Samstag zwei Stunden lang die
Brandbekämpfung im Keller vortragen, die Rettung der Techniker aus den
Untergeschoss durchführen und die Evakuierung von über 60 Personen, davon
40 mehrfachbehinderte Menschen aus vier
Stationen in Rollstühlen vornehmen.
Die Übung wurde von einer Übungsleitung beobachtet und muss nun im Detail
noch ausgewertet, nachbesprochen und letztlich in der Ausbildung umgesetzt
werden.
Zum jetzigen Zeitpunkt können bereits erste Erkenntnisse festgehalten
werden:
1. Die gemeinsame Einsatzplanung von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei
hat sich im Grundsatz bewährt. Die bei der Übung gewonnenen Erkenntnisse,
machen jedoch eine Überarbeitung des Einsatzplans erforderlich. Die Gliederung
des Raumes muss nochmals im Einsatzplan überarbeitet werden.
2. Die Brandbekämpfung und die Rettung der Personen aus dem Keller verlief
sehr gut. Die Mannschaften haben ihr Handwerk beherrscht.
3. Die Rettung und Betreuung körper- und mehrfachbehinderter Menschen war
ein Schwerpunkt der Großübung. Die Evakuierungsmaßnahmen stellte die
Einsatzkräfte vor eine große Herausforderung.
Der Kräftebedarf war wesentlich höher als ursprünglich angenommen. Die
Planungen gingen davon aus, dass ein Rollstuhlfahrer von 2 Feuerwehrmännern
über die Treppen nach unten gebracht werden können. Bei der Übung zeigte sich,
dass in der Regel zwischen 4 und 6 Feuerwehrleute benötigt wurden, insbesondere
weil die Personen teilweise sehr schwer waren und mit Elektrorollstühlen
ausgestattet sind.
4. Dennoch hat sich das abgestufte Evakuierungskonzept, bei dem zuerst eine
Verlegung der betroffenen Menschen in einen gesicherten Bereich (horizontale
Räumung) und danach aus dem Gebäude gebracht werden (Vertikale Räumung)
bewährt.
5. Die Einsatzstrukturen konnten von der Einsatzleitung zügig aufgebaut
werden. Schwierigkeiten sind jedoch teilweise in der Kommunikation zwischen den
Einsatzabschnitten aufgetreten. Die Führungsstruktur bei solchen
Großschadenslagen und das neue Funk- und Fernmeldekonzept muss weiter vertieft
und trainiert werden.
6. Eine bessere Abstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst ist notwendig;
teilweise wurden Rettungsdienstfahrzeuge in den Zufahrten der Drehleitern
aufgestellt, was zu zeitlichen Verzögerungen im Rettungseinsatz führte.
7. Eine Drehleiter war beim Einfahren in die Feuerwehrzufahrt eingesunken
und konnte erst nach Herstellung einer sicheren Standfläche eingesetzt werden.
Die Feuerwehrzufahrt muss überprüft werden.
Rund 500 Gäste und Beobachter, darunter auch Bürgermeister Robert Hahn,
Vertreter des Gemeinderats, der Stadtverwaltung, des Landeswohlfahrtsverbandes,
der Heime und etliche Fachbeobachter, begleiteten die Übung.
Nach der
Einführung der Gäste in die Übung durch Feuerwehrkommandant Harald Herrmann
konnten sie den Übungsablauf, der über Megaphon kommentiert wurde, verfolgen.
Die in der Übung gewonnenen Erkenntnisse werden nun von der
Übungsleitung ausgewertet und in einer gemeinsamen Nachbesprechung durch
Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei bewertet. Danach sollen sie in der
weiteren Einsatzplanung, auch für vergleichbare Einrichtungen, wie z. B
Altenpflegeheime, berücksichtigt werden.
Harald Herrmann dankte im Anschluss an die Übung allen eingesetzten
Kräften für Ihr großes Engagement bei dieser Übung; er dankte aber auch dem
Heim Rappertshofen, insbesondere dem Leiter Herrn Peichl sowie der
Pflegedienstleitung für die gemeinsame Ausarbeitung und Durchführung der Übung.
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